Ein Siegel für den Wirbelwind

Zehn Kindertagesstätten in Offenbach nahmen am hessischen Kindersprachscreening-Programm KiSS teil. Dies wird in Hessen seit 2007 zur Sprachstandserhebung eingesetzt.

 

Alle sollen es sehen

Diese Kindertagesstätte nimmt teil am hessischen Sprachscreening-Programm. Der Hessische Sozialminister Stefan Grüttner schraubt höchstpersönlich das KiSS-Siegel an den Torpfosten der Kita Wirbelwind in der Geleitsstraße. Das ist eine von 18 Einrichtungen des Vereins Krabbelstubb und die erste Kita in Offenbach, die das Siegel verliehen bekommt. „In den nächsten Tagen sollen alle mit KiSS arbeitenden Einrichtungen das Siegel zugeschickt bekommen“, sagt Grüttner. In Hessen sind es 719, in Offenbach zehn.

Der Test dauert 20 Minuten.

 

KISS

KiSS – das ist ein Kindersprach-screening, das in Hessen seit 2007 zur Sprachstandserhebung eingesetzt wird. Alle Kinder zwischen vier und viereinhalb Jahren sollen nach diesem Verfahren getestet werden. Die Teilnahme ist freiwillig. „Hier ist ein Ball“ sagt die Erzieherin, „und das sind ..“ - So lautet eine der Aufgaben, die die Kleinen im 20-minütigen Test zu beantworten haben.

„Wir legen viel Wert auf Spracherziehung“, berichtet Wirbelwind-Leiterin Doris Jechimer-Gärtner. In der Kita sind 48 Kinder im Alter von drei bis sechs Jahren; zu einer Gruppe gehören nur 16 Kinder. Sie werden von zwei Erzieherinnen betreut. Egal ob auf Waldtagen oder beim Spielen in der Kita, da ergeben sich jede Menge Gesprächssituationen. „KiSS dient für uns der Eigenkontrolle“, sagt Jechimer-Gärtner, „früher mussten wir auf die Sprachstandserhebungen der Schule warten. Jetzt können wir früher ansetzen.“ Nämlich dann, wenn die Sprachentwicklung im Gange ist und Förderung am meisten nutzt. Mit Jechimer-Gärtner haben sich zwei Erzieherinnen aus dieser Kita für KiSS fortbilden lassen. Seitdem es im Oktober 2010 im Wirbelwind eingeführt wurde, sind zehn Kinder getestet worden; bei zweien haben die Erzieherinnen Defizite festgestellt.

 

Unterwegs in Offenbach

Die Sprachheillehrerinnen Carolin Goldhan und Silke Twelkemeyer-Wind sind für das KiSS-Programm zusätzlich zu ihrer Arbeit an der Erich-Kästner-Schule beim Gesundheitsamt der Stadt beschäftigt. Sie schulen die Erzieherinnen; 13 sind es bis jetzt in Offenbach. „Es geht darum, medizinische Auffälligkeiten und sprachpädagogischen Förderbedarf festzustellen“, sagt Goldhan. Kinder, bei denen ein Verdacht besteht, sollten zur Abklärung einem Kinderarzt vorgestellt werden. Den Erzieherinnen gibt KiSS zudem Gewissheit darüber, wie das Kind gezielt zu fördern ist. Ob es am Wortschatz hapert oder an der Grammatik. „Mit KiSS sparen Erzieherinnen Zeit, weil die Vorgehensweise standardisiert ist“, sagt Johannes Mertens, technischer Leiter am hessischen Kindervorsorgezentrum des Klinikums der Goethe-Universität Frankfurt.

 

Spiele, Testbögen, Lieder

Aufgrund der bei KiSS erworbenen Erkenntnisse entwickeln Universität und Stiftung Lesen eine Art Werkzeugkasten, mit dem die Erzieherinnen mit den Kindern üben können. Er soll Spiele, Testbögen, und Lieder enthalten und Ende 2011 auf den Markt kommen. „Wir sind stolz auf die Erzieherinnen, die mit KiSS arbeiten; viele bilden sich außerhalb ihrer Arbeitszeit fort“, sagt Mertens. Bürgermeisterin Birgit Simon (Grüne) wünscht sich, dass es das Land nicht bei der Sprachstandserhebung belässt: „Wir brauchen auch flächendeckende Sprachförderprogramme nach KiSS.“

 

(Aus der Frankfurter Rundschau vom 06.06.2011)